Neuwagenleasing – der direkte Eingang ins Hamsterrad

Veröffentlicht von KRentzsch am

Christian ist 19 Jahre jung und fährt mit einer jungen Schönheit auf dem Beifahrersitz durch die Innenstadt Kölns. Der Wagen, ein Mercedes AMG, mit mehreren hundert PS funkelt im Straßenlicht wie ein edel geschliffener Diamant. Immer wieder lässt Christian den Motor aufheulen. Das Röhren des Doppelrohrauspuffes übertönt alles.

Ich denke jeder kennt solche oder ähnliche Szenarien aus der eigenen Erfahrung zu genüge. Wie können sich junge Menschen wie Christian solche Mittel- und Oberklassewagen leisten?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Papi verdient gut oder, weitaus häufiger, wir haben es mit Neuwagen-Leasing zu tun. Diese Form der Finanzierung wird, auch bei Privatpersonen, immer attraktiver. Schon 2018 waren 41% aller neu zugelassenen Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen durch Leasing finanziert (Handelsblatt, 21.03.2018), Tendenz weiter steigend.

Wie funktioniert Leasing?

Leasing ist eine Nutzungsüberlassung über einen bestimmten Zeitraum an einem Gegenstand gegen Miete. Das Leasingobjekt bleibt während dieser Zeit Eigentum des Leasinggebers. Der Leasingnehmer zahlt eine feste Rate über beispielsweise 24 oder 36 Monate. Während dieser vereinbarten Vertragslaufzeit ist das Abkommen unkündbar. Am Ende der Laufzeit kann der Leasingnehmer den gemieteten Gegenstand entweder zum Restwert übernehmen, oder ihn an den Leasinggeber zurück geben. Dieser kann den Gegenstand dann gewinnbringend weiterveräußern.

Leasing, das große Tor ins Hamsterrad

Wer als Privatperson für einen Neuwagen einen Leasingvertrag unterschreibt steht schon mit beiden Füßen im Hamsterrad und muss schleunigst das Laufen beginnen. Das Rad muss sich kontinuierlich drehen, um den Leasinggeber monatlich zum Stichtag mit Geld befriedigen zu können. Neben diesen Ausgaben ist eine (besonders bei Fahranfängern) teure Vollkaskoversicherung von Nöten, um das Leasingobjekt zu erhalten. Sprit, Pflegeprodukte, Wartungen und Reparaturen (dann häufig in der Vertragswerkstatt) sind noch nicht eingerechnet und verschlingen weitere Unsummen. Das Hamsterrad muss also noch schneller gedreht werden.

Das “Neuwagen-Investment”

Der Kauf (oder das Leasing) eines Neuwagens ist absolut kein Investment! Ein Neuwagen verliert im ersten Jahr seiner Nutzung etwa 25% seines Listenpreises. Ein drei Jahre altes Auto ist beim Verkauf noch etwa 50% wert. Diese Wertverluste zahlen Sie mit jeder Leasingrate (zzgl. Zinsen), auch wenn Sie das Fahrzeug noch so gut pflegen und völlig unbeschadet weiterverkaufen oder zurück geben. Im Falle eines Unfalles sind Fahrzeuge kaum noch zu verkaufen und von weitaus stärkerer Wertminderung betroffen. Wir können also festhalten, dass jede Anschaffung eines Neuwagens 50% des Neupreises in den ersten 3 Jahren verbrennt. In meinen Augen gibt es keinen wirklichen Mehrnutzen, der diese Verlusten nur annähernd rechtfertigen könnte.

Vorteile des Unternehmers

Als Unternehmer können die Leasingraten des Neuwagens steuerlich geltend gemacht werden. Weiterhin laufen Leasingverträge für die Unternehmen bilanzneutral. Somit finden sich wenigstens für Selbständige einige kleine Vorteile. In diese Vorteile kommt der Privatmann und Angestellte aber nicht. Der Wertverlust des Wagens bleibt beim Firmenleasing der selbe.

Neuwagen vs. Gebrauchtwagen

Christians neuer Mercedes AMG kommt auf einen Listenpreis mit Vollausstattung von stolzen 120.000€. In den ersten 3 Jahren des Leasings verliert der Wagen 60.000€ an wert. Ein Gebrauchtwageninteressent könnte den gleichen 5 Jahre alten AMG für noch rund 50.000€ erwerben und das gleiche Auto wie Christian fahren und gleichzeitig 70.000€ (!!!) sparen. Von den Ersparnissen lässt sich eine kleine Eigentumswohnung kaufen und zum Beispiel an Studenten vermieten und somit passives Einkommen generieren. Welchen nennenswerten Vorteil hat hingegen Christian durch den Besitz des neuen Fahrzeuges? Das Auto fährt nicht schneller, es sieht bei guter Pflege nicht besser aus, es kann genauso viele Personen transportieren und passt in die selbe Garage. Ich gebe zu: Wahrscheinlich riecht der Wagen im Innenraum nicht mehr so neu. Ist das 70.000€ wert?

Finger weg!

Der Neuwagen ist einer der größten und meist gemachten finanziellen Irrtümer der Mittel- und Unterschicht. Ich gestehe: Auch ich hatte in noch jüngeren Jahren einen Leasingwagen, konnte mich aber von der Geldvernichtungsmaschinerie loseisen. Ich bin seither glücklicher Inhaber eines Gebrauchtwagens, dessen größte Wertverluste jemand anderes für mich bezahlt hat. Jetzt ist es an Euch, nicht weiter in die Konsumschuldenfalle “Leasing” zu tappen, wenn ihr ein Auto benötigt.


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