Läuft die Zeit der Filialbanken ab?

Veröffentlicht von KRentzsch am

Im Jahre 2018 haben insgesamt 2.239 Filialen von Banken, Sparkassen und Volksbanken geschlossen (Vgl. “Vermögensberater” Ausgabe 1/2020). Besonders ländliche Regionen sind immer mehr vom Filialsterben der Finanzinstitute betroffen. Wie kommt es dazu? Läuft die Zeit der liebgewonnenen Filialbanken etwa ab?
Durch die schon lange andauernde Niedrigzinsphase ist den Banken, mit den vormals lukrativen Kreditzinsen, eine wichtige Einnahmequelle weggebrochen. Seither versuchen viele der Filialbanken neue Einnahmenquellen zu erschließen, um ihre teure Infrastruktur zu finanzieren. Es geht um großzügige Filialgebäude, aber auch unzählige Mitarbeiter, die Kunden vor Ort betreuen. Über die Qualität dieser persönlichen Beratungen (die einen großen Interessenkonflikt hat) habe ich aus meinem Blickwinkel bereits auszugsweise an anderer Stelle berichtet.
Nahezu alle Banken greifen daher seit Jahren auf deutlich höhere Gebühren für alle Arten von Dienstleistungen zurück.

Kosten kommen aus dem Nichts

Es gilt hervorzuheben, dass viele der heute gebührenpflichtigen Transaktionen noch vor 5 Jahren teilweise völlig unentgeltlich angeboten wurden. Es handelt sich folglich nicht um reale Kostenpunkte für die Kreditinstitute, welche refinanziert werden müssten. Buchungen über Onlinebankings laufen heute weitestgehend völlig automatisiert und neben der Pflege der EDV-Infrastruktur völlig kostenneutral. Eine beleglose Gutschrift auf meinem Konto mit 0,20 EUR (oder sogar mehr) zu berechnen grenzt daher in meinen Augen an Abzocke, da dem keine entsprechende Auslage des Anbieters entgegen steht. Beleghafte Transaktionen sind übrigens teilweise mehr als 1000% teurer als die Buchungen über das Internet. Hier kann richtig kräftig gespart werden.

Immer weiter ansteigende Gebühren beim Geschäftskonto

Ich habe ein Geschäftskonto bei einer Filialbank, da ich auf die Möglichkeit der Bareinzahlung und den Einzug von SEPA-Lastschriften beruflich angewiesen bin.
Erst im letzten Jahr aber überstiegen die monatlichen Kontoführungsgebühren (für einen wirklich kleinen Betrieb mit einer übersichtlichen Anzahl an Buchungsposten) die 30€-Schallmauer. Die Jahre zuvor habe ich den Kostenposten meines Kontos immer großzügig überlesen, doch diese neue Größenordnung hat mich aufmerksam gemacht. 30€ mal 12 Monate pro Jahr – ich komme also im Ernstfall auf über 360€ Kosten im Kalenderjahr für eine schlichte Kontodienstleistung! Das finde ich persönlich absolut überteuert.
Ich begann also mich nach Alternativen umzusehen. Mittlerweile gibt es einige Internetbanken, die auch Konten für Firmen und Geschäftsleute anbieten – ZUM NULLTARIF!

Auch Bareinzahlungen kein Problem mehr

Selbst das vormalige Problem, dass Onlinewettbewerber keine Bareinzahlungen zu moderaten Preisen anboten hat sich mittlerweile erledigt. Mit der N26 Bank habe ich jetzt seit 3 Monaten einen zuverlässigen Partner, der auch für diese Dienstleistung eine Lösung gefunden hat. Bareinzahlungen können an den Kassen gewisser Einzelhändler vorgenommen werden. So kann ich beispielsweise bis zu 100,- EUR monatlich an der Kasse meines örtlichen Drogeriemarktes direkt um die Ecke einzahlen. Summen, die monatlich 100,- EUR übersteigen werden mit Kosten von 1,5% der Einzahlungssumme verarbeitet, was aber bis 250,- EUR immer noch preiswerter als bei meiner Filialbank ist. Lediglich die Herausforderung auch Lastschriften für Geschäftskunden anzubieten sehe ich noch nicht gelöst.

Somit habe ich mein Gebührenmodell bei meiner Filialbank auf das kleinste Paket heruntergefahren (sodass die Grundkosten minimal sind) und wickle über dieses Konto nur noch das Nötigste, in dem Fall Lastschriften ab. So komme ich insgesamt mit nunmehr zwei Konten auf Gebühren von maximal 15,- EUR monatlich, also der Hälfte im Vergleich zur Abwicklung des kompletten Geschäftsverkehrs über die Filialbank – ein erheblicher Unterschied, wie ich finde. ich freue mich seither über Einsparungen von über 100€ im Jahr, die ich wieder für den Vermögensaufbau nutzen kann.

Das Filialsterben

Mich wundert es nach meinen Erfahrungen daher kaum, dass immer mehr Filialen von Banken geschlossen werden. Die Kosten für ihre Dienstleistungen sind für internetaffine Nutzer einfach schlichtweg utopisch hoch. Der einzige Pluspunkt einer Filialbank könnte demnach noch die persönliche Verfügbarkeit der Berater und der damit verbundene Service sein. Bedauerlicherweise haben das die entsprechenden Anbieter aber aus meiner Sicht noch nicht verstanden, bzw. setzen es mangelhaft um. Schaue ich spontan in meiner Filiale vorbei, um eben zum Beispiel mein Gebührenmodell anpassen zu lassen, werde ich mit einer Terminvereinbarung in rund einer Woche vertröstet und wieder heim geschickt. Das wird damit erklärt, dass diese Anpassung nur ein spezieller Mitarbeiter vornehmen kann. Jede Mail- oder Onlinebanking Anfrage bei Internetbanken wird deutlich schneller bearbeitet, ohne dass ich viel Zeit mit An-, Abfahrt und Wartezeit verliere.

Formulare und Anträge des Filialinstitutes scheinen Geheimdokumente zu sein, weshalb sie nur in der Filiale betrachtet werden und keineswegs mit nach Hause genommen werden dürfen (Ich gebe zu, dass ich die Praxis nachvollziehen kann – andernfalls käme der ein oder andere Kunde vielleicht den schwindelerregenden Konditionen auf die Schliche). Gerade für Privatkunden gibt es heutzutage in meinen Augen kaum Gründe ein Konto bei einer Filialbank zu unterhalten. Gibt es kein radikales Umdenken in den Köpfen der Filialbanker, wird sich das Sterben weiter fortsetzen und es in naher Zukunft so gut wie keine Filialen mehr geben – meiner Meinung nach aber auch kein großer Verlust.

Habt ihr noch ein Konto bei einer Filialbank? Wie hoch sind die gebühren für Euch und wie oft nutzt ihr wirklich Eure Filiale in der Nähe?
Vergleichen mit Internetanbietern lohnt sich hier auf jeden Fall!

Bis nächsten Montag!


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