Keine DeutscheCommerzbank! Na, Gott sei Dank!

Veröffentlicht von KRentzsch am

Die Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank sind in dieser Woche geplatzt. “Gott sei Dank” sagen sicherlich nicht nur viele der Angestellten beider Bankhäuser.

“Think Big” als Lösung der Krise

Durch die Fusion sollte ein Global Player entstehen. Beide Institute zusammen würden es auf eine Bilanzsumme von rund 1800 Mrd. Euro und einen Börsenwert von rund 25,3 Mrd. Euro bringen. Der Hintergedanke? Immer mehr Finanzinstitute tun sich weltweit zusammen und schaffen somit Bankenriesen. Gerade aufstrebende Märkte, wie beispielsweise China gewinnen so unaufhaltsam an Einfluss. Den deutschen Finanzinstituten geht es seit der Finanzkrise aus dem Jahre 2008 hingegen schlecht. Der Börsenkurs der Deutschen Bank zum Beispiel ist um 70% eingebrochen und siecht seit Jahren nur dahin. Die Commerzbank konnte nur durch massive Staatseingriffe gerettet werden. Hinzu kommen immer mehr Fintech-Unternehmen und Start-Ups, die kostenlose Online-Banklösungen anbieten und den etablierten Finanzhäuser ordentlich Kunden abwerben und diese somit in ernste Schwierigkeiten bringen.

Internationale Konkurrenzfähigkeit?

Durch den Zusammenschluss sollte ein deutscher Riese entstehen, um international den Anschluss nicht zu verlieren. Erfolgswahrscheinlichkeit? Ich bin mehr als skeptisch, ob beim Zusammenschluss zweier kranker Banken ein wettbewerbsfähiger Global Player wäre entstanden! Es gibt derzeit keine gewichtigen Anzeichen auf eine Verbesserung der Marktposition im Falle einer Fusion. Die Deutsche Bank war vor Jahren in etwa so groß, wie der geplante Fusionskonzern heute würde. Hat ihr das geholfen, um die Finanzkrise gut zu meistern und international eine Vorherrschaft zu behalten?

Abbau von Stellen befürchtet

Den kommunizierten Vorteilen stehen aber, in meinen Augen, schwere Nachteile entgegen. Beide Bankhäuser haben in den letzten Jahren bereits viele Stellen abgebaut, um Kosten einzusparen. Durch die geplante Fusion der beiden Finanzschwergewichte stand aber ein weiterer Stellenabbau von insgesamt bis zu 30.000 Mitarbeitern im Raum. Kein Wunder, dass die knapp 150.00 Angestellten und Arbeitnehmervertreter nun aufatmen.

Wettbewerb

Bereits jetzt empfinde ich die Preisstrukturen vieler Filialbanken als überteuert und nicht mehr zeitgemäß. Bei einem Zusammenschluss weiterer Großbanken in Deutschland schrumpft der Wettbewerb der Filialbanken weiter. Höhere Gebühren ließen sich dann leichter, mangels Alternative, durchsetzen. Die Kunden, viele Unternehmer mit ihren Geschäftskonten, welche auf Lastschriften und Barzahlungsverkehr setzen schauen dann in die Röhre.

Kosteneinsparungen

Ein Unternehmen aus Deutscher- und Commerzbank spekulierte auf Kostensenkungen und somit Einsparungen auf der Ausgabenseite. Nach letzten Berechnungen kamen Experten auf Einsparmöglichkeiten in der Größenordnung von gut 2 Mrd. Euro. Diese wären durch IT-Zusammenlegungen und gemeinsame Digitalisierungsprojekte realisierbar gewesen.

Enorme Kosten

Ich bin hingegen der meinung, dass der Zusammenschluss der Banken größere Kosten verursacht hätte, als dem Einsparungen gegenüber stünden. Gerade am Beispiel der IT lässt sich das gut festmachen. Warum gibt es beispielsweise bis heute so viele unterschiedliche regionale Sparkassen in Deutschland? Ein Grund ist schlicht die Softwarevielfalt. Mit Nichten benutzen alle Sparkassen die selben Programme. Untereinander sind die elektronischen Anwendungen daher oft nicht kompatibel, weshalb Gebühren anfallen, wenn ein Sparkassenkunde aus dem Süden im Norden Geld abheben möchte. Fusionieren nun zwei Geldinstitute der oben beschriebenen Größenordnung, die bisher nie zusammengearbeitet haben, müsste das ganze IT-System kompatibel gemacht werden. Das wird kaum zu Einsparungen, als vielmehr zu ausufernden Kosten führen.

Natürlich müssen BEIDE Banken nun nach Alternativen suchen, denn ein “weiter so” ist schlicht nicht möglich. Eine Fusion wäre aber in meinen Augen nie eine Lösung gewesen, daher sage ich: Gott sei Dank ist das vom Tisch!

 


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